„Lars WARS“

Von und mit Lars Johansen
Regie: Lutz von Rosenberg-Lipinsky

Ein Kugelblitz auf Abwegen


Früher war alles so einfach. Da gab es die Guten und die Bösen. Die Guten waren Rotkäppchen, Luke Skywalker und Käpt‘n Kirk. Die Bösen waren der böse Wolf, Darth Vader und die Klingonen. Heute macht die Merkel einen auf Rotkäppchen als Mindestlohnmutti und der Wolf ist Veganer. Lukes Lichtschwert ist giftig für die Umwelt, warnt Darth Vader, der seit seinem Burnout bei Greenpeace arbeitet.
Die Klingonen helfen alten Mütterchen über die Straße, während Kirk als Brüderle besoffen auf der Brücke herumpöbelt und Schiffsarzt Pille mit Organen handelt. Alles ist so unübersichtlich. Da kann man sich ja nur noch verirren. Und genau das passiert Kugelblitz Lars Johansen. Er geht verloren. Wie der gute alte Odysseus versucht er, sich mühsam zurecht zu finden in dem Irrgarten der Gegenwart. Wird er den Weg nachhause finden? Fragen über Fragen.
Ist das ein Holzsplitter im Schnitzel oder ein Teil vom trojanischen Pferd? Ist es verseucht oder nur von IKEA? Wenn die Verbraucherministerin bei dem Pferdefleischskandal sagt, man solle jetzt Ross und Reiter nennen, bedeutet das, dass nicht nur Pferd im Fleisch war? Taucht jetzt in Fischstäbchen auch noch Fisch auf? Milch im Café Latte? Wespen im Bienenstich? Immerhin kriegt der Innenminister endlich eine billige Reiterstaffel: Tiefkühllasagne!
Ein Skandal jagt den nächsten, aber Tagesschau und „heute“ beruhigen uns immer wieder. Das Fernsehen wird täglich flacher, nicht umsonst heißt es Fachbildschirm. Während das ZDF aussieht wie die bescheuerte Zwillingsschwester von RTL, bekommt das Dschungelcamp den Grimmepreis, und Stefan Raab befragt die Kanzlerkandidaten. Dafür ist im Kino alles dreidimensional. Nur ein paar kleine Hobbits können uns jetzt noch retten. Aber sind das überhaupt Hobbits? Oder die untoten Zombies von der FDP? Nein, es ist Peer Steinbrück als Zauberer von Oz, der die böse Hexe des Ostens besiegen will.
Derweil heulen die Sirenen unserem Odysseus die Ohren voll. Seine Heimat ist von den Ratingagenturen heruntergestuft worden. Sie behaupten, die Griechen sind an allem Schuld. Aber die Wahrheit ist viel schockierender, als Sie es sich vorstellen können.
Erfahren Sie alles in LARS WARS. Ein Stück, das Ihnen den Weg weist, das Navigationsgerät unter den Kabarettprogrammen.


PRESSEMEINUNGEN

von Claudia Klupsch

90 Minuten Lars Johansen einzig und allein auf der Bühne - es funktioniert prächtig. Das neue Soloprogramm des Kugelblitze-Kabarettisten hatte am Montagabend in der Magdeburger Zwickmühle Premiere.
Magdeburg l Johansen lieferte mit Unterstützung seines Regisseurs Lutz von Rosenberg-Lipinsky geistreich-witziges Kabarett. Der Programmtitel "Lars Wars" lenkt gewollt auf den Filmklassiker "Star Wars". Private Kriege wolle er nicht ausfechten, versichert Johansen zu Beginn des Abends. Auch käme kein Laserschwert zum Einsatz, sondern lediglich die "scharfe geschliffene Klinge der Satire".
Wohlan! Sehr wohl begibt sich der Künstler auch auf eine Reise auf die dunkle Seite der Macht und lässt filmische Kunstfiguren wie etwa Darth Vader tatsächlich auftreten. Jenen verschlägt es ins Arbeitsamt. Doch mit der abgebrochenen Jedi-Ritter-Ausbildung wird´s wohl nichts mit einem Job.
Johansen ist von der ersten Sekunde an präsent, jede Geschichte erntet Lacher, Pointen sind trefflich gesetzt. Die Verbindung zum Publikum ist schnell hergestellt. Es reagiert brav auf das verabredete Zeichen, um Schreckliches an der Lage der Nation im Chor zu kommentieren: "Oh weh, oh ach, wo soll das alles hinführen?"
Der Kabarettist teilt bissige Hiebe aus. Die Griechen sind als Schuldige der EU-Schuldenkrise ausgemacht. Herrlich des Kabarettisten Rollenspiel: Odysseus findet sich einem Beamten gegenüber. Ein hölzernes Pferd bauen? So einfach ist das nicht! Es gibt schließlich Vorschriften! Als Kriegsgerät deklarieren - ja, dann sind Fördergelder möglich!
Der Kabarettist schlüpft gekonnt in allerlei skurrile Figuren. Er verzichtet auf jegliche Kostümierung, gebraucht allein Stimme, wechselnde Dialekte und Körpersprache. Die Wechsel gehen rasant vonstatten. Eine starke Vorstellung!
Zum Piepen, nein Summen: Lars Johansen als Drohne, die als Faulpelz aus dem Bienenstock rausfliegt. Berufliche Perspektive: Kampfdrohne. Herrlich komisch: Eine Redakteurin der Zeitschrift "Brigitte" beim NSU-Prozess. Johansen amüsiert als metrosexuelles Wesen, das sich über die Angeklagte Zschäpe in dieser Weise mokiert: "Die glotzt wie 'ne Kuh!".
Witzig ist auch der Anti-Veganer. Johansen mimt den unverbesserlichen Fleischfresser, der in überkandideltem amerikanisch-deutschen Kauderwelsch zum Schlachtefest aufruft. Alle Sympathien hat der betagte Bewohner eines Altenheims. ("Damals, 1945, waren wir auf der Flucht! Jetzt greifen wir an. Wir übernehmen Berlin!")
Höhepunkt des Abends: Johansen als bayerischer feister Landtagsabgeordneter, der in schönstem Bayrisch weinerlich erklärt, warum er seine Geschwister ("Sie sind nicht die hellsten Laternen im Stall") als Angestellte in seinem Büro beschäftigt. Wegen des Fachkräftemangels in der Politik!
Am Ende der Reise findet Lars Johansen das Böse. "Mutti!" - Angela Merkel. Ihre typische Handhaltung entlarvt er als "Die Raute des Grauens", die "Raute der Macht". Eine schöne Pointe des Abends.
"Lars Wars" sind 90 Minuten intelligente Unterhaltung und gehobenes politisches Kabarett. Der Lars war's. Lars war gut.

(Magdeburger Volksstimme, 05.06.2013)